Digitale Welt - Chancen und Gefahren

Demokratie per Automat? - Wahlcomputer

Von der Veranstaltung wurde eine Tonaufzeichnung angefertigt (Größe 84 MB, Format MP3).

Wahlsonntag, abends kurz nach sechs. Radios und Fernseher werden eingeschaltet, Surfer gehen ins Internet, und alle erwarten mehr oder weniger gespannt den Ausgang der Wahl. Stundenlang werden vorläufige Ergebnisse von den verschiedensten Umfrageinstituten korrigiert und nähern sich mehr oder weniger gut und schnell dem amtlichen Endergebnis an. Teilweise zählen die ehrenamtlichen Wahlhelfer wieder und wieder undeutliche oder unklare Stimmzettel, verstehen vielleicht selbst manchmal nicht, wie der Wähler kumuliert und pannaschiert hat.

Könnte da nicht die Elektronik helfen, nicht nur die Auszählung, sondern gleich den Wahlakt zu vereinfachen? Ließe sich nicht vielleicht auch viel Geld einsparen, weil keine Stimmzettel mehr bedruckt werden müssen und kein Heer von ehrenamtlichen Wahlhelfern gesucht, angeschrieben und für den Aufwand entschädigt werden muss? Fehler bei der Auszählung könnten Vergangenheit sein, und wer zum Schluss der Wahl den Fernseher einschaltet, bekommt nach wenigen Minuten nicht etwa eine grobe Schätzung, wer zukünftig regiert, sondern ein exaktes Ergebnis.

Jedoch mehren sich kritische Stimmen. Bei Wahlen in den Vereinigten Staaten wird inzwischen regelmäßig von Pannen berichtet, bei denen Stimmen verloren gingen oder dem falschen Kandidaten zugeschlagen wurden. Die Versuche von Hackern, an Einzelexemplaren von Wahlmaschinen zu manipulieren, machen Schlagzeilen. Technisch Versierte wenden ein, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Stift-und-Zettel-Verfahren niemand mehr wirklich das Ergebnis einer Auszählung nachvollziehen kann. Eine Wahl gar über das Internet, in dem Viren, Trojaner und Betrüger immer wieder für Schlagzeilen sorgen, kommt für manchen gar nicht erst in Betracht. Studien ziehen in Zweifel, dass durch Wahlmaschinen tatsächlich Kosten eingespart werden. Und was macht ein Wahlvorstand, wenn wegen eines Stromausfalls nicht gewählt werden kann? Und wie kontrolliert er, dass der vor ihm stehende Automat wirklich alle Stimmen so sortiert, wie der Wähler es wünscht?

Für die einen sind es elektronische Helferlein, die Demokratie sichern, indem sie Wahlen einfacher, schneller und billiger machen. Für die anderen sind es weitere Nägel am Sarg der freien, gleichen und geheimen Wahl.

Teilnehmer Wahlcomputer-Veranstaltung v.l.n.r. Rop Gonggrijp, Holger Niehaus (Moderator), Ernst-Otto Sommerer, Manfred Meyer
Teilnehmer v.l.n.r.: Rop Gonggrijp, Holger Niehaus (Moderator), Ernst-Otto Sommerer, Manfred Meyer

Teilnehmer:

Mittwoch, 30. Mai 2007 um 19 Uhr im Pfefferkorn, Prinzipalmarkt 8-10

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